Ja, es ist richtig. Der Stellwerk e.V. wird sich zum Ende des Jahres auflösen.

Wie geht’s dann im Wiesenviertel weiter? Wird es noch jemanden geben, der junges Leben in die Innenstadt bringt? Wird es das Knut’s und das Roxi weiterhin geben? Gibt es noch Veranstaltungen, wie das Wiesenviertelfest oder den Tummelmarkt? Wird es noch Ansprechpartner geben, wenn ich meine Projekt- oder Unternehmensidee im Quartier starten möchte? Gibt es noch jemanden, der mich dabei mit Beratung, Geld und Netzwerk unterstützt?

Um Euch konkrete und belastbare Antworten auf diese Fragen liefern zu können, hätten wir gerne den Zeitpunkt und die Art und Weise dieser Meldung selbst bestimmt. Aber da uns nun die Presse auf die Pelle gerückt ist, nehmen wir auf diesem Wege Stellung dazu und versuchen die Fragen von unserem derzeitigen Standpunkt bestmöglich zu beantworten.

Was ist passiert? Warum macht das Stellwerk nicht weiter?

Wir sind Anfang 2010 mit dem Stellwerk angetreten, weil uns die Stadt aus der Sicht eines jungen Menschen langweilig und trostlos erschien. Der offensichtlich hohe Ladenleerstand hat diesem Bild den Rest gegeben. Die fehlenden kulturellen Angebote, insbesondere für 20-30 Jährige, trieb die Menschen in die benachbarten Städte oder am Wochenende nach Hause in die Heimat. Über das Studium hinaus gab es keinen Grund nach Witten zu kommen bzw. in Witten zu bleiben.

Wir haben uns aufgemacht, um genau an einem gegenteiligen Bild der Stadt zu arbeiten und konnten in den letzten Jahren vielen Menschen zeigen, wie lebendig und lebenswert diese Stadt ist. Wir haben im Laufe der Jahre sehr viele engagierte Menschen unterstützt und konnten dabei helfen, zahlreiche Projektideen umzusetzen, bestehende Unternehmen und Neugründungen im Quartier anzusiedeln und damit wiederum Leerstände zu füllen.

Mittlerweile hat diese unterstützende Arbeit ein Ausmaß angenommen, das nach professionellen Strukturen verlangt und durch ehrenamtliche Tätigkeit nicht mehr zu stemmen ist.

Will man weitermachen, muss ein neues Kapitel aufgeschlagen werden!

In den letzten Jahren waren wir mit wenigen aktiven Mitgliedern als „Stellwerk-Schnellboot“ unterwegs. Das war notwendig, um schnelle Entscheidungen treffen zu können und erst einmal zu zeigen was in Witten überhaupt möglich ist. Inklusive uns selbst hätte uns das wahrscheinlich am Anfang keiner geglaubt.

Jetzt ist es aber an der Zeit, interessierte Bürger noch viel stärker in die Gestaltung mit einzubeziehen. Mit einem Wiesenviertel e.V. könnte jeder Bürger Teil der Entwicklung werden und diese bewusster begleiten und aktiv mit Zeit und/oder Geld vorantreiben.

Ein Wiesenviertel e.V. würde als Plattform und rechtlicher Rahmen für gemeinschaftliche Aktivitäten dienen. Er würde als erster Ansprechpartner zur Verfügung stehen und könnte z.B. über eine Webseite Bedarfe und Initiative im Wiesenviertel sichtbar machen und bündeln. Gleichzeitig würde ein Wiesenviertel e.V. als Quartiersfond fungieren, der Mitgliedsbeiträge und Sponsorengelder sammelt, um weiterhin Kleinstprojekte im Quartier zu unterstützen. Anders als bisher, würde durch eine offene Vereinsstruktur, die unmittelbare Teilhabe von allen Interessierten an der Weiterentwicklung des Wiesenviertel erleichtert und auf viele Schultern verteilt werden.

Um allerdings weiterhin eine professionelle Quartiersarbeit leisten zu können und damit das Quartier und die gesamte Innenstadt strategisch weiterzuentwickeln, ist darüber hinaus die Erarbeitung eines tragfähigen Konzepts notwendig. Diese Aufgabe kann das Stellwerk als alleiniger Akteur nicht leisten.

Zusammen mit professionellen Akteuren aus den Bereichen Immobilien, Wirtschaft, Bankwesen und Politik, die ein persönliches Interesse an der Weiterentwicklung der Wittener Innenstadt haben, muss im Rahmen eines „Think-Tanks“ ein Konzept erarbeitet werden,

  1. das bürgergetragene und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung auf breiter Ebene (unabhängig von Einkommen, Alter und Interesse) ermöglicht
  2. und gleichzeitig Lösungen anbietet, die entstehenden Overheadkosten aus eigener Kraft durch eine der Quartiersentwicklung zuträglichen Quelle zu erwirtschaften. Eine geeignete Quelle ist in unseren Augen der Erwerb von Immobilien.

Momentan verschnaufen wir von der vielen Arbeit der vergangenen Jahre, schielen aber natürlich auch gleichzeitig erwartungsvoll auf alles was da kommt. Es ist halt ein echtes Herzensding, von dem man sich nur schwer lösen kann!

Was sind die Konsequenzen? Was ändert sich? Was bleibt?

Das Knut‘s mit dem Roxi werden weiterhin bestehen bleiben. Was mit dem Wiesenviertelfest ist, hängt von den Aktivitäten des Wiesenviertel e.V. ab oder von anderen Akteuren, die Lust haben das Fest auf die Beine zu stellen. In diesem Jahr werden noch zwei Tummelmärkte stattfinden, danach muss geschaut werden, ob es weitergehen kann.

Eine kontinuierliche Unterstützung bei der Umsetzung von Projekt- und Unternehmensideen mit Beratung, Netzwerk und akquirierten Fördergeldern wird es in Zukunft nicht mehr geben.

 

Ich will bezüglich der weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werden!

Stellwerk e.V.
Steinstraße 15, 58452 Witten
Tel.: 02302 878 19 20 | Mail.: info@studiostellwerk.de